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Der Punkt ist das wichtigste Element. Reiht man Punkte aneinander, entsteht eine Linie. Reiht man Linien aneinander, entsteht eine Fläche. Damit haben wir drei grafische Grundelemente auch für die Gestaltung einer Fotografie zur Verfügung. In diesem Tutorial geht es um den Punkt.

Funktion: Blickfang

Das folgende Foto zeigt den Punkt als Gestaltungselement und Blickfang.



Der Punkt ist in diesem Fall das kleine Schiff vor dem großen Sturm; David und Goliath, wie der Bildtitel heißt. Wir haben es beim Punkt nicht immer mit einer kleinen, runden, klar abgegrenzten Kreisfläche zu tun. Sondern die Definition ist etwas abstrakter zu sehen.

 

Funktion: Beziehungen darstellen

Besteht zwischen den Punkten eine Beziehung? Kommunizieren sie miteinander?

Entscheidend für die Bildwirkung ist dabei, wo sich die Punkte befinden. Ab welchem Abstand treten die einzelnen Punkte in Beziehung? Welche Aussage ergibt sich daraus? Ein fotografisches Beispiel mit drei Punkten:


Wir haben hier zwei Hunde und einen Mann; alle auf einer Linie im gleichen Abstand. Die drei Bildelemente wirken als harmonische Einheit. Der erste Hund dreht zur Bestätigung den Kopf zum Rest der Gruppe.

Hier ist die Anordnung anders. Ein Hund aus der Dreiergruppe ist weiter entfernt. Er schaut sich auch nicht um. Der Blick des Mannes ist nach vorn auf diesen Punkt gerichtet. Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem Hund, der vorn läuft, und den beiden anderen.

Kleine Verschiebungen der Anordnung können ganz andere Punktbeziehungen und damit Bildaussagen auslösen.

Übung: Anordnen

Die Fähigkeit, beim Fotografieren die Punkte entsprechend der Bildaussagen anzuordnen, trainiert man am besten zweidimensional auf einer Fläche. Man kann in Ruhe die Wirkungen von verschiedenen Anordnungen in sich aufnehmen.

Besorge Dir verschiedene „Punktgrößen“, zum Beispiel:


Spiele auf einer neutralen Fläche mit den Punkten. Fange mit einem Punkt an, verschiebe ihn über die Fläche und beobachten dabei die Wirkung der einzelnen Positionen. Wann wirkt ein Punkt einsam? Wann hat er eine harmonische Position auf der Fläche? Wann wirkt die Anordnung instabil oder spannungsvoll?

Nehme einen zweiten und dritten Punkt dazu und experimentiere weiter.


Verändere die Abstände und die Positionen. Ab welcher Entfernung treten einzelne in gemeinsame Beziehung?

Ab welcher Anzahl werden Punkte selbst zu einem einzigen Punkt? Wann bilden Punkte eine Linie? Welche Abstände sind nötig, damit dieser Eindruck entsteht?

Lerne, welche Wirkungen Punkte entfalten, als einzelner Punkt, an einer bestimmten Position und im Zusammenspiel untereinander. Es kommt bei der Übung darauf an, in Ruhe und entspannt zu probieren und die Wirkung aufzunehmen. Du sollst nicht erlernen, sondern erspüren. Du sollst später beim Fotografieren intuitiv reagieren und nicht eine Checkliste abarbeiten.

Mit einer Übung ist es nicht getan. Wiederholungen sind wichtig. Ich garantiere Dir - Du wirst einen, Deinen Blick für den Punkt und seine Wirkungen entwickeln.

 

Weitere Beispiele


Welche Geschichte erzählen diese drei Blickpunkte (Mann, Frau, Auto)? Trennung, Streit oder Pause vom Fahren? Werden Sie zusammen weiterfahren?

Nur wird es aber Zeit, die Übung in Ihrem Umfeld weiterzuführen. Gehe nach draußen. Versuche, Punkte zu finden und zu fotografieren.

Es kommt darauf an, dass Du Punkte als solche erkennen und anzuordnen lernst.

Funktion: Bild strukturieren

Eine weitere wichtige Funktion des Punktes ist die Strukturierung eines Fotos.

 


Hier werden zwei Farbpunkte (rote Schuhe und farbiges Mädchen) genutzt, um Ordnung in die vielen Schuhe und die Szene zu bringen. Gleichzeitig wird die Aufmerksamkeit auf zwei Elemente gelenkt, welche eine Geschichte erzählen. Ist das Kind verlassen worden? Kommt die Mutter/Schwester gleich wieder zurück? Warum ist es nicht mit in das Haus gegangen? Gibt es Hinweise dazu im Foto?

Ich hoffe, die Ausführungen waren nicht zu theoretisch und ich konnte die Sensibilisierung auf den Punkt bringen.

Meiner Meinung nach kannst Du mit viel Sehtraining Deinen fotografischen Blick trainieren und es werden Dir intuitiv bessere Fotos gelingen. Also üben, üben und nochmals üben.

Die Übung 03 beschäftigt sich mit der Wirkung und Funktion der Linie.